Letzte Änderung: 15. Juni 2015

Zweite Yale - Humboldt Consumer Law Lecture 2015

 

Die zweite Yale-Humboldt Consumer Law Lecture fand am Montag, den 1. Juni 2015 ab 14 Uhr im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin. Die zum zweiten Mal stattfindende Veranstaltungsreihe, die durch Frau Prof. Susanne Augenhofer 2014 initiiert wurde und in diesem Jahr erstmalig in Zusammenhang mit einem KOSMOS-Dialog stand, ist in besonderem Maße der Förderung des transatlantischen Dialogs auf dem weitgefächerten Gebiet des Verbraucherrechts verschrieben. Die diesjährige Hauptveranstaltung hatte das Thema „The Rational Consumer & Standard Contract Terms". Es konnten Frau Prof. Florencia Marotta-Wurgler von der New York School of Law, Herr Prof. Richard Brooks von der Columbia Law School und erneut Herr Prof. Alan Schwartz von der Yale Law School als Referenten gewonnen werden. Die Vorträge umfassten die folgenden Themen:

 

 

Prof. Richard Brooks: Knowledge in Law and Economics and the Information Fiduciary

Prof. Florencia Marotta-Wurgler: Does Disclosure Work? Some Realities and Challenges in Consumer Markets

Prof. Alan Schwartz: The No Reading Problem in Consumer Contract Law

 

 

Im Rahmen seiner Begrüßungsrede unterstrich Herr Prof. Peter Frensch, Vizepräsident der Humboldt-Universität für Forschung, nach einigen einleitenden Bemerkungen die Wichtigkeit des juristischen Diskurses auf dem Gebiet der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung des Wirtschafts- und Handelsverkehrs sowie der damit einhergehenden neuen vertraglichen Möglichkeiten. Im Anschluss daran begrüßte die Gastgeberin, Frau Prof. Susanne Augenhofer, das Auditorium sowie die amerikanischen Referenten.

Der rationale Umgang mit AGB aus Sicht des Verbrauchers sowie empirische Untersuchungen zur Verwendung und Wahrnehmung der AGB stellten schließlich den Schwerpunkt der Vorträge dar.

Herr Prof. Richard Brooks behandelte die vor allem angesichts der steigenden Bedeutung von multinationalen Unternehmen bestehende Problematik der Verwendung teils vertraulicher Daten über Privatpersonen. Diesbezüglich stellte er nach einer Zusammenfassung unterschiedlicher Informationstypen das Konzept der „Informationstreuhand" vor: Dieses Modell soll die aus dem Überlassen von Informationen resultierenden Rechte und Pflichten des Treuhänders, z.B. von multinationalen Unternehmen, und des Treugebers, i.d.R. des Verbrauchers, definieren.

Im Anschluss daran stellte Frau Prof. Florencia Marotta-Wurgler das Problem der Nichtbeachtung von AGB durch den Verbraucher dar, welches sie anhand empirisch erhobener Daten veranschaulichte. Zudem erörterte sie die Frage, ob eine umfassendere Offenlegung der AGB dazu führt, dass der Verbraucher diese auch eher liest.

Aufbauend auf diesem Vortrag unterstrich Herr Prof. Alan Schwartz das aus der Nicht-Beachtung der AGB entstehende Problem, das im amerikanischen Recht besteht: Im Gegensatz zu den europäischen und deutschen Vorschriften, die in hohem Maße verbraucherschützend sind, ist in den USA jede Bestimmung der AGB, die dem Verbraucher vorgelegt wird, durchsetzbar - ob sie gelesen wurde oder nicht.

 

Hierbei und in der anschließenden Diskussion wurden die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Verbraucherrecht besonders deutlich: Während in Europa vor allem die individuell ausgehandelten Bedingungen als elementar erachtet würden, herrsche in den USA das Streben nach der Wettbewerbsfähigkeit der Märkte als Instrument des Verbraucherrechts vor.